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Gefährliche Panne

(c) Alexander Rossa 1999

Elfe

Bar

Es war tiefste Nacht, als ich mit meinem kleinen Opel Corsa die schmale und schlecht ausgebaute Landstraße entlang fuhr.

Selbst bei Nacht war die Eifel ein schönes Fleckchen Erde, und ich hatte Freude an meiner späten Reise, zumal meine Lieblingsmusik durchs Auto trällerte.

Der Kundenbesuch hatte länger gedauert, als ich einkalkuliert hatte und brachte auch nicht den erwünschten Erfolg.

Plötzlich hörte ich einen lauten Knall und der Wagen kam ins Schlingern, so, daß ich fast in den Straßengraben fuhr, hätte ich nicht rechtzeitig gegen gelenkt und den Wagen damit abgefangen.

Als der Wagen stand, stieg ich aus und stellte fest, was ich ohnehin schon insgeheim vermutet hatte.

Der linke Vorderreifen war geplatzt.

Es war kühl und außer meinen Fahrzeugscheinwerfern gab es in diesem dichten Wald kein weiteres Licht.

Ich trat fluchend gegen den geplatzten Reifen und ging zum Fahrzeugheck, um den Reservereifen zu holen.

Aber wie es nicht anders zu erwarten war, ließ mich auch dieser Reifen im Stich.

Er war platt.

Wütend schlug ich die Heckklappe zu und schaltete die ganze Fahrzeugelektrik aus, da ich mich auf den Weg machen wollte, daß nächste Pannentelefon zu erreichen, um Hilfe herbeizurufen.

Als ich am Straßenrand entlang schlurfte, durch die diesige, naßkalte Luft, wurde mir plötzlich, so in irgendeiner unbeschreiblichen Form, sehr unheimlich.

Ich fühlte mich unwohl und einsam, so daß ich entschloß, mich noch mehr zu beeilen.

Ich war sehr erleichtert, als ich die nahe Notrufsäule erreichte und endlich eine menschliche Stimme hörte.

Ich beschrieb meinen etwaigen Standort hastig, und war glücklich, zu erfahren, daß ich in gut einer Stunde mit fachkundiger Hilfe rechnen konnte.

Ohne mir wieder Angst und Bange werden zu lassen, ging ich pfeifend zu meinem alten Corsa zurück.

Doch was war das?

Mir kam der Weg, zurück zu dem Auto, unerwartet lang vor.

Auch konnte ich keinerlei Umrisse oder Spiegelungen erkennen. Wieder wurde ich nervös und lief immer schneller den Straßenrand entlang.

Doch das Auto erreichte ich einfach nicht.

Plötzlich hörte ich das Jaulen eines wohl wilden Hundes, denn mir war klar, oder besser ich hoffte, daß es keine Wölfe in der Eifel gab.

Dennoch war ich sehr verunsichert und blickte mich nervös und ängstlich um. Ich spürte deutlich das Pochen meines Herzens in der Brust.

Da, ich hörte ich das laute Heulen des Hundes, der sich in meinen Gedanken immer weiter zu einem gefährlichen Wolf entwickelte. Vielleicht war dieses Tier ausgebrochen, aus so einem Tierpark entflohen.

Ich bekam nun richtig Angst und stellte mir vor, was mit mir geschehen könnte, wenn meine Vermutungen der Wahrheit entsprechen würden.

Ich begann, unbewußt meine Geschwindigkeit immer weiter zu erhöhen und schließlich sogar zu rennen.

Zuerst hörte ich nur meinen keuchenden Atem, zu dem sich nach einiger Zeit ein weiteres, fremdes Geräusch hinzugesellte.

Es war ein lautes Hecheln, das immer wieder von einem äußerst gefährlich wirkenden Knurren unterbrochen wurde.

Während ich die Straße weiter entlang rannte, blickte ich mich gehetzt um und sah einen großen, dunklen Schatten, der mich verfolgte und sich rasch näherte.

Ich rannte daraufhin noch schneller, so daß mein Atem nur noch laut rasselte und mir die Bronchien brannten, wie Feuer.

Meine Beine waren nicht mehr zu spüren, liefen und liefen einfach nur noch mechanisch. Innerlich verfluchte ich mein Auto, die Eifel und den Kundenbesuch und spürte die Gefahr, die sich mir immer weiter und unaufhaltsam näherte.

Dann begann mein Zahnfleisch zu schmerzen, irgendwie zu jucken, und meine Augen brannten.

Es war die Hölle.

Ich stellte mir die Frage, warum gerade ich, und fand einfach keine Antwort. Es war wohl so etwas, wie Kismet, mein Schicksal, auf dieser entlegenen Straße, fern ab von jeglicher Zivilisation, in diesem doch so hochtechnisierten und entwickelten Land, von einem entwichenen, ausgehungerten Wolf zerrissen und gierig zerfleischt zu werden.

Ich verfluchte mich innerlich, den Reservereifen nicht regelmäßig überprüft zu haben und mich heute von meiner Frau nur so flüchtig, so profan verabschiedet zu haben, ohne sie zu küssen und ihr zu sagen, daß ich sie immer noch jeden Tag und jede Minutemeines Lebens unsterblich liebe.

Aber nun war es zu spät.

Ich hatte es versäumt, hatte versagt und wohl damit auch verdient, zerfleischt und getötet zu werden.

Ja, ich hatte es nicht anders verdient, und es war sinnlos, sich gegen dieses Schicksal zu wehren. Das Schicksal nimmt schließlich nichts, was es nicht gegeben hat.

Es war zwecklos.

Da wurde ich plötzlich langsamer und wollte mich dem Tier zum Kampf stellen, mit ihm ringen, Auge um Auge, Jäger mit Gejagtem. Es sollte mich nicht ohne Gegenwehr, ohne einen teuren Preis bekommen. Ich blieb stehen und drehte mich rasch und entschlossen um.

Plötzlich wurde die Schwärze der Nacht von einem hellen Lichtstrahl durchbrochen, der mich so stark blendete, daß ich absolut nichts mehr sehen konnte.

Dann hörte ich ein Bellen und wurde kurz darauf von einem weichen, felligen Geschöpf umgeworfen, und mein Gesicht wurde abgeleckt.

Eine ältere Männerstimme, die aus der Richtung des Lichtscheines zu mir drang, rief das pelzige Ungeheuer, das den Namen "Wichtel" trug, zurück und näherte sich rasch.

Ein alter, aber noch sehr rüstiger Mann kam auf mich zu, in der Hand eine helle Taschenlampe haltend, und fragte mich, ob mir der Opel an der Straße gehörte.

Ich war vollkommen perplex und bejahte die Frage nur nickend, obwohl ich mir natürlich nicht sicher war, ob es sich um meinen Opel handelte, den der Mann beschrieb.

Dann folgte ich mit meinen Blicken dem Handzeichen des Mannes und sah meinen schönen Corsa, der, so wie ich ihn abgestellt hatte, an der Straße parkte.

Ich mußte laut lachen, es war ein beinahe wahnsinniges Lachen, und sah, daß mich der alte Mann, der zu dieser Zeit immer das Wild zu beobachten pflegte, wie er es mir später erklärte, verwundert anblickte.

Ich erzählte ihm meine Geschichte, und da begann auch er zu lachen.

Wir gingen gemeinsam zu meinem Auto und warteten dort auf den Pannendienst. Da der Mann, er stellte sich als "Der Kitzen Hans" vor, heißen Thermoskannen-Kaffee dabei hatte, wurde uns die Warterei fast ein Vergnügen, und ich mußte immer wieder über meine lächerliche Angst lachen, wenn ich zu dem schönen Schäferhund hinüber sah, der wohlerzogen und brav, an den Füßen vom "Kitzen Hans" lag und die Ruhe genoß.

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Ausgezeichnet mit dem "PowerFox Literature & Poetry Award"

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