<bgsound src="../sounds/midi.net/livedie.mid" loop="-1">WEBCounter by GOWEB Das weiße Pferd


Es war einmal ein junger Pferdezüchter namens Peter, der sich auf ausgefallene und ästhetische Rennpferde spezialisiert hatte. Als er eines Morgens in die Koppel kam, sah er ein neues Pferd darin. von Kopf bis Fuß war es weiß, und mitten auf der Stirne trug es ein kleines Horn. Er betrachtete es und verliebte sich auf der Stelle in dieses Pferd. Er fragte sich, wie es wohl in seine Koppel gekommen sei, als das Pferd plötzlich aufstand und zu laufen begann. Peter lief dem Pferd nach und versuchte es zu halten, doch das Pferd war viel zu schnell. Es lief über die grüne Wiese, sprang über den Zaun und war verschwunden.

Vor lauter Traurigkeit konnte der junge Züchter nicht mehr schlafen noch essen und so vergingen ein paar Tage. Eines anderen Morgens ging er wieder auf die Wiese und sah erneut das weiße Pferd mit seinem Horn dort stehen. Diesmal hatte er sich ein bißchen besser vorbereitet und sein Lasso mitgenommen. Er warf es dem Pferd um den Hals und versuchte es an einem Pflock festzubinden. Das Pferd blieb ruhig stehen und sah Peter nur aus seinen großen blaugrünen Augen an. Peter begann das Pferd zu striegeln und zu streicheln, doch als sein Geruch in die Nüstern des weißen Pferdes drang, schien es plötzlich wieder Angst zu bekommen und riß sich los. Wenige Sekunden später war es auf der anderen Seite des Zaunes und kein Rufen oder Flehen half Peter, es entschwand wieder.

Der junge Züchter war der Verzweiflung nahe und wußte nicht, wo er das Pferd finden und wie er ihm seine Zuneigung nahe bringen könnte, denn inzwischen hat er selbst festgestellt, daß dieses Pferd seine ganze Liebe und Zuneigung in Anspruch nahm und alle anderen Pferde seine Zucht verkauft oder verschenkt. Er packte seinen Rucksack, schwang sich auf das Fahrrad und fuhr durch die Gegend, um "sein" weißes Pferd zu suchen.

Auf jeder Versteigerung in der näheren Umgebung, bei jedem Pferdzüchter und sogar im Naturschutzgebiet suchte er nach dem weißen Pferd, doch er fand es nicht. Ganz erschöpft von der weiten Reise kam er schließlich am Meer an, wo er sein Zelt auf einem leeren Campingplatz aufstellte und sich zum schlafen legte. Mitten in der Nacht wachte er von lautem Hufgetrampel auf, stürzte aus dem Zelt und sah viele weiße Pferde in das Meer laufen. Er schaute und schaute, als eines nach dem anderen sich in die Fluten stürzte, doch "seines" war nicht darunter. Mit lautem Getöse verschwand die Herde im Wasser und eines nach dem anderen schien sich in eine Welle zu verwandeln wenn es im Wasser anlangte. Sein Blick wanderte den Strand entlang und die Klippen empor - da war es, "sein" weißes Pferd!

Majestätisch und Eindrucksvoll, wie aus einem Film, stand es am oberen Rand der Klippen und wieherte in die Dunkelheit. Mit aller Schnelligkeit, die er seinen verschlafenen Gliedern abringen konnte, rannte er den Weg auf die Klippen nach oben und suchte nach dem Pferd. Doch als er oben angelangt war, saß nur eine verängstigte junge Frau auf einem Stein und antwortete auf seine Frage nach dem Pferd mit "hier gibt es doch keine weißen Pferde - das müssen Sie geträumt haben!".

Peter überlegte vor verletzter Sehnsucht und Liebe die Klippen hinunter zu springen und sein Leben selbst zu beenden, doch irgend etwas hielt ihn noch zurück. So wanderte er wieder zu seinem Zelt und versuchte ein par Stunden zu schlafen. Am nächsten Morgen packte er sein Zelt auf das Fahrrad, brach die Suche ab und fuhr nach Hause. Als er schließlich nach mehreren Tagen seine Koppel erreichte, sah er schon von weitem das Pferd auf der Wiese stehen. Langsam, um es nicht wieder zu erschrecken, näherte er sich. Verwundert stellte er fest, daß das Horn auf der Stirn des Pferdes verschwunden war und sagte laut zu sich "was ist denn passiert?". Da antwortete das Pferd "Ich habe mir jetzt mein Horn abgestoßen - wenn du mit mir eine neue Zucht aufbauen möchtest, jetzt bin ich auch so weit.".

Vor lauter Freude schwang Peter sich auf den Rücken des Pferdes und wollte eine Runde reiten, doch da warf es ihn ab, sprang erneut über den Zaun und lief ein paar Meter davon. Peter rief ihm nach "was ist denn los?". Das Pferd rief zurück "laß mir meine Freiheit - nur dann kann ich bei Dir bleiben. Doch wenn du beginnst mich einzusperren, dann muß ich dich verlassen und zu meinen Freunden in das Meer!". Sofort begann Peter den Zaun niederzureißen und die Koppel in eine grüne Wiese zu verwandeln, damit das Pferd sich wohl fühlen konnte, doch als er damit fertig war und sich umschaute, war das Pferd schon wieder verschwunden.

Jetzt reichte es Peter endgültig, jetzt wollte er nur mehr seine Ruhe haben und von Pferden nichts mehr wissen. Er sattelte um und wurde Fleischhauer, schlachtete alles, was ihm unter die Finger kam und dachte nicht mehr an das weiße Pferd. Viele Jahre später sah er es noch einmal, aber er erkannte es nicht mehr, da es sich durch die Jahre der Wildheit und Eigensinnigkeit das Fell schmutzig und struppig gemacht hatte. Peter, selbst durch die harte Arbeit unempfindlich und eigensinnig geworden, kaufte das Pferd, um es zu schlachten. Er führte es zum Schlachtschußapparat und setzte diesen an.

Das weiße Pferd hatte Peter natürlich sofort erkannt und versuchte mit ihm zu sprechen, doch Peter, durch die Jahre der Einsamkeit geprägt, hörte ihm nicht mehr zu. Als es dann soweit war und der Apparat warmgelaufen war, gab sich das Pferd einen letzten Ruck, riß sich los und sprang über den Zaun.

Dadurch erkannte Peter, der es ja schon viele Male springen gesehen hatte, daß es "sein" Pferd sein mußte - und erschrak. Fast hätte er es getötet - fast. Das Pferd, eben noch dem Tode nahe, sah seinen Blick und wußte, jetzt könnt sie nichts mehr trennen. Es blieb stehen, ließ ihn aufsteigen und gemeinsam ritten sie in den anbrechenden Abend hinein.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so reiten sie noch heute.

GF © 06.01.1997

P.S.: Eigentlich hat diese Geschichte ja ein anderes Ende - aber bei Märchen gibt's immer ein Happy End
Smiley

Zurückzum Poesie IndexVorwärts

Ein Klick zur Empfehlung! \| One click to recommend!

Werbung:

Site (d)esigned & (c)opyright 1998-2000 by PowerFox - Mail an/to PowerFox Webmaster\@PowerFox.net - Last change on this page in 2004
Sollten wir bei irgendwelchen Bildern oder Musiken (welche überwiegend aus dem Netz stammen) geltende Rechte verletzt haben, so werden wir diese auf Anforderung natürlich sofort von unseren Seiten entfernen!
Außerdem weisen wir darauf hin, daß wir für die Inhalte von Seiten außerhalb der Domäne www.PowerFox.net weder Verantwortung übernehmen noch sie uns zu eigen machen!
Should we have broken any rights in using pics or sounds (mostly got out of the net) on our sites, pls drop a mail and we'll remove them immediately!
Furthermore we declare not beeing responsible for contents of pages outside of the domain www.PowerFox.net nor to include those contents in our publications in any way.

Self-Hosted by www.Fuchs.info

.