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Gedanken & Gefühle im
Sonnenschein
Grüne Wiese - Sonnenschein - eine herrliche
Landschaft befindet sich direkt hinter dem Fenster, durch das ich sehe.
Gerade gingen mir ein paar Gedanken über das Leben durch den Kopf -
leider ein paar schwarze - aber nun, mit einem Mal, durch einen Blick sind
sie hinweg geblasen, so wie das Blütenblatt eben vor dem Fenster.
Ich dachte daran, wie schwierig es doch sei, manchmal über den Rand des
eigenen Erkennens und erfassen hinaus zu blicken - und wie einfach es doch
ist, die Welt da draußen zu bewundern und zu bestaunen. Und doch - es ist
nur ein Blick hinaus, es ist ganz anders, als wenn ich zur Türe gehe, sie
öffne und die Wiese auch rieche, spüre und direkt sehe.
Dieses Bild habe ich schon mal in einem anderen Zusammenhang präsentiert
bekommen - beruflich, als es darum ging, mehr aus uns selbst heraus zu
holen. Schon interessant, wie oft sich das eine und das andere ergänzen -
der Beruf, die eigenen Lebensziele - und die Harmonie, welche von der
Landschaft hinter dem Fenster ausgestrahlt wird.
Die Äste des Baumes da draußen bewegen sich im Wind, ein paar Fliegen
kokettieren miteinander - und im Moment fühle ich mich doch ein wenig
selbst wie eine Fliege, die immer wieder mit dem Kopf gegen die Scheibe
fliegt, ohne zu erkennen, daß die Scheibe da ist.
In den letzten Tagen und Wochen habe ich versucht, aus dem alltäglichen
Trott auszubrechen - habe auch gedacht, daß ich tatsächlich Schritte
setzen würde - mich etwas bewegt hätte, auf meine Träume hin - doch
heute sehe ich, daß der Großteil einfach nur Phantasie war, die Realität
mich eingeholt hat und ich wieder zu einem "ganz normalen
Menschen" geworden bin. Aber irgend etwas hat sich doch geändert -
nicht viel, ein ganz klein wenig - heute erkenne ich es bereits, was es
ist.
Vor dem Fenster sehe ich immer noch den blauen Himmel, mit ein paar
kleinen weißen Wolken darin - wie er sich bis hinter die Berge spannt,
die ich zu erklimmen versucht habe. Ein Windhauch streift mich, während
ich das schreibe - durch einen Spalt im Fenster kommt sogar ein bißchen
Frühlingsluft hier in das Zimmer - streichelt sanft über meine Haar, als
ob er mir zärtlich begegnen wolle.
All diese Eindrücke heben mich gerade, bringen mir ein wenig Glücksgefühl
- können aber trotzdem nicht darüber hinweg täuschen, daß ich eines
erkannt habe - das Fenster ist dazwischen, der Versuch, direkt zu dieser
wundervollen Frühlingslandschaft ist mit einem starken Schmerz verbunden,
wenn mein Kopf mal wieder an die Scheibe knallt.
Aber so klar wie ich dieses erkannt habe, so stark drängt mich mein
Verlangen danach, es wieder einmal ganz real zu erleben, dieses Gefühl.
Der Länge nach in der Wiese zu liegen, den Vögeln beim zwitschern zu
lauschen - und die Wolken weit oben am Himmel vorüber ziehen zu sehen.
Und auch den Duft der grünen Halme in Nase zu spüren, während sie mich
im Nacken streicheln, sanft und manchmal auch ein wenig stachelig.
Sie zehrt, diese Sehnsucht - sie zehrt - und trotzdem sitze ich immer noch
hier herinnen und sehe nach draußen - denke fast, daß ich es erreicht hätte,
nur weil ich es sehe, durch mein Fenster. Aber es kommt - schon bald - der
Moment, an dem ich es schaffe, aufzustehen, die Türe zu öffnen - und
einfach hinaus zu gehen, denn schließlich ist es ja nicht so schwer! Wenn
da nicht immer die anderen wären, die sich Sorgen machen würden - die
anderen, die nicht sehen, daß das Fenster nur eine Scheibe ist, die sie
gefangen hält, während die Türe, die undurchsichtige, der wirkliche Weg
hinaus ist.
Doch nun wird es Zeit, die Dinge hier herinnen zu ordnen, den alten
Momenten und Bekannten ein Wiedersehen zu wünschen - Abschied zu nehmen
vom Innen und meine Schritte wirklich nach außen zu lenken, denn die
Blicke alleine sind mir zu wenig - ich will mehr, ich will es erleben -
und freue mich, daß schon jemand mit geht, nach draußen, in die Natur,
die wunderschöne.
Auch wenn es wieder einmal regnen wird - oder der Schnee es fast unüberwindlich
macht, da draußen zu leben - die Türe hat eine Schnalle, zurück kann
ich immer - doch nach draußen muß ich gehen, ich selbst. Daher gehe ich
- jetzt.
Kommst du mit?
GF © 10.05.1998
  
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