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In
Bewegung genießen
Ein sehr lieber Mensch schrieb mir heute in einer Mail:
>Bedenke dabei: DER WEG IST DAS ZIEL!
Zu dieser Aussage fällt mir nur mehr ein bildlicher Vergleich ein: Es
gibt ja dieses schöne alte Märchen vom Gold am Fuße des Regebogens, vom
Topf, den mensch nur ausgraben braucht, um bis an's Ende seiner Tage glücklich
vom Inhalt zu leben. Immer mehr Menschen, denen ich so begegne, leben nach
dem Prinzip der Suche und der Erwartung, daß sie doch endlich einmal das
Ende des Regenbogens erreichen und den Topf voll Gold finden werden; dabei
übersehen sie oft, daß der Regenbogen nicht einen Punkt sondern eine Fläche
als Ende hat - und daß das Gold, das sie erwarten, einfach durch die
Sonne in den Tautropfen auf den Grashalmen schon lange vorhanden ist.
Daher leben meiner Meinung nach so viele unglücklich vor sich hin, weil
sie einfach nicht in der Lage sind, den schönen Wald vor ihren Augen zu
erkennen, da sie nach den Bäumen suchen und enttäuscht sind, weil diese
nicht ihrer Vorstellung und Erwartung vom Wald entsprechen.
Es gibt so viele schöne Dinge, Momente und Gefühle im Leben - ich genieße
sie gerne dann, wenn ich sie erhalte, und freue mich ganz besonders, wenn
ich auf andere treffe, die das auch können 
Sicher ist es wichtig, auch die Zukunft zu sehen, aber genauso wichtig ist
es, den Augenblick zu erkennen, an dem die Sonne aus kleinen naßkalten
Tautropfen wunderschöne Goldperlen zaubert - und aus einer nicht mehr
funktionierenden Beziehung eine herrliche Freundschaft entstehen kann.
Aber dazu muß mensch die Augen öffnen und sehen wollen - muß Mensch
auch akzeptieren können, daß das wahre Gold, das glücklich macht, nur
im Inneren entstehen und sich vermehren kann.
Umso schöner ist es, wenn man(n) dann auf eine Frau trifft, die ihm
diesen (schon verlorenen) Blick zurückgibt, ohne zu sagen "du bist
ja blind - du kannst das gar nicht sehen". Und eben das ist es, was
mir gestern "widerfahren" ist, was mich so sicher sein läßt,
daß das ein Weg ist, an dem einer der vielen Regenbögen seinen Endpunkt
hat. Doch wie auch die Sonne sich im Tagesverlauf bewegt und mensch ihr
folgen muß, damit die Goldperlen nicht wieder zu naßkalten Tautropfen
werden, genau so muß jede Art von Beziehung, gerade auch eine
Freundschaft, in Bewegung bleiben und gehegt werden.
GF © 03.02.1997
 
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