Immer näher kommt Weihnachten - nur mehr eine Woche, dann haben wir’s
alle wieder für ein Jahr geschafft. Den Streß, den wir uns selbst aufbürden,
um nur ja keinen unserer Verwandten, Bekannten, Geschäftspartner und/oder
sonstigen Menschen zu vergessen, die wir manchmal in unser Leben herein lassen.
Besonders die Kinder werden gerne abgeschoben - "Mama muß jetzt dem
Christkind helfen, geh’ zur Oma, weil der Papa hilft auch mit.".
Dabei kann so ein Kind sich ja auch glücklich schätzen, wenn es noch beide
Elternteile hat, bei >den< Scheidungsraten heutzutage.... Wenn ich mich
zurückerinnere, was mich zu Weihnachten wirklich bewegt hat und woran ich mich
heute nach tw. Jahren noch erinnere, so ist es oftmals einfach die Liebe und Nähe
von Menschen, die mir etwas bedeuten.
Meine Großmutter zum Beispiel, die vor einigen Jahren gestorben ist, an einem
Herzinfarkt, nachdem sie sich noch ca. zwei Jahre um den Großvater nach dessen
Schlaganfall gekümmert hatte - mit ihr habe ich als Kind immer so gerne Canasta
gespielt, nicht nur zu Weihnachten - aber da ganz besonders gerne. Wenn dann
noch ein paar liebe Verwandte dabei waren, dann war es immer so ruhig und
friedlich, da wurden Probleme ganz unbürokratisch und ohne negative Emotionen
analysiert, Alternativen gesucht und die beste Lösung derselben gemeinsam
angestrebt.
Oder mein bester Freund (weiblich und Mutter zweier entzückender Kinder) - mit
ihr habe ich die schönsten Weihnachten meines bisherigen Lebens verbringen dürfen.
Es war ganz einfach friedlich, die beiden Kleinen haben damals nicht mal
mitbekommen, daß es ein anderer Tag als sonst war, bis dann die
"Bescherung" stattfand. Die kleinere der beiden hat ihren ersten Topf
bekommen, den sie ganz hektisch vom Papier befreite und als sie erkannte, was
das war, in eine Ecke zerrte und sofort benutzen mußte. Die leuchtenden Augen
dabei waren das schönste Geschenk, das ich jene Weihnachten erhielt - vor allem
auch der Moment, als sie selbst ihre Strampelwindeln (die Höschen mit dem
Gummizug - Namen sollte ich ja keinen nennen) nicht schnell genug hinunter
bekommen konnte und daran herum riß, wir haben traumhaft darüber gelacht.
Aber auch die Weihnachten, als ich noch Dienst bei der Rettung versah, am
Heiligen Abend, waren wundervolle Weihnachten. Ich habe an keinem dieser drei
Weihnachtsdienste, die ich schob, eine schlimme Ausfahrt gehabt - glücklicherweise.
Und wenn sich dann am Abend die KollegInnen untereinander über den Funk ein
frohes Fest wünschten, dann wußten wir, daß wir nicht alleine sind auf
unserer Dienststelle.
Und auch die Weihnachten zu Hause waren einmal schön, als wir Kinder noch klein
waren und unsere Eltern sich noch vertrugen - wenn wir am Heiligen Abend
gemeinsam Spiele spielten oder einfach nur gemeinsam sangen. Auch die Besuche
bei den Großeltern an den Tagen danach waren schön - wenn auch anstrengend für
uns Kinder, weil wir doch besonders adrett gekleidet und brav sein mußten.
Doch das schönste Fest für mich war es, als einmal Weihnachten mitten im
Herbst stattfand, als ich ein altes Ehepaar im verschneiten Nadelwald beobachten
durfte, wie sie sich mit ihren sicherlich weit über siebzig Jahren wie kleine
Kinder eine Schneeballschlacht veranstalteten.
Um so mehr schmerzt es mich zu sehen, wie immer mehr Menschen ihre Herzen vor
der Schönheit und der Mystik dieses Festes verschließen, nur mehr den Streß
und Kommerz ("was soll ich nur kaufen dieses Jahr") in ihren Herzen
tragen. Sicher - es gibt auch wirklich negative Seiten, arme Menschen, die nicht
einmal eine Wohnung haben und schon gar keine Freude an Weihnachten empfinden können,
weil sie da noch einsamer sind als das ganze Jahr. Oder jene, die wieder einmal
ganz ohne andere am heiligen Abend zu Hause sind und vor lauter Einsamkeit und
Depression auch noch Selbstmord begehen.
Aber die, die Weihnachten nur mehr kommerziell sehen und nur mehr an das
Schenken und beschenkt werden denken ("Was, du hast mir gar nichts
mitgebracht??") - die tun mir dabei noch mehr leid als die, die wissen, daß
sie nichts haben, denn die sehen nicht einmal mehr das.
In diesem Sinne würde ich mir diese Weihnachten wünschen, daß jene, die glücklich
sind, auch mal vor ihre Wohnungstüre gehen und nachsehen, ob es da nicht eine/n
Nachbar/in gibt, die/der alleine zu Hause sitzt und in Einsamkeit vergeht - und
diesen einen kleinen Weihnachtsgruß bringen. Nichts Aufregendes, nur ein paar
Kekse, eine Einladung zum Kaffe oder auch zum Plaudern - die glücklichen Augen,
die ihr damit erntet, die sind ein Geschenk, das man in keinem Laden der Stadt
kaufen kann. Und auch Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder wieder einmal zu
Besuch kommen, sie wieder an ihrem Leben teilhaben lassen.
Danach könnt ihr euch dann in Ruhe zu Hause hinsetzen und euch ganz euren
weihnachtlichen Gefühlen hingeben - denn dann seid ihr Menschen gewesen, ihr
werdet sehen, daß da ein großer Unterschied zu vorher besteht. Aber das muß
nicht nur zu Weihnachten sein - das geht auch das ganze Jahr, bereits jetzt.
Denkt daran - ihr habt noch eine Woche davor ...
... und zweiundfünfzig Wochen danach!
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